Seit wann gibt es Stadt, Land, Fluss?
(This blog post is written in German b/c it’s about the German game Stadt, Land, Fluss — an almost equivalent to categories.)
Im September kam mir die Frage in den Sinn, seit wann es eigentlich Stadt, Land, Fluss gibt.
In der Wikipedia waren keine Informationen zu finden, manuelles Suchen im Web lief ins Leere, und LLMs konnten auch nicht weiterhelfen. — LLM-Systeme mit Zugriff auf Websuchfunktionen waren nicht in der Lage, Inhalte mit Quellenangaben oder Primärquellen ausfindig zu machen; und auf Basis ihrer Trainingsdaten konnten die stochastischen Papageien auch keine Informationen oder Zitate mit Jahresangaben reproduzieren.
Entweder war also tatsächlich noch niemand der Frage nach dem Ursprung des Spiels auf den Grund gegangen, oder die Ergebnisse entsprechender Recherchen haben nie ihren Weg in die digitale Welt gefunden — zumindest nicht den Teil, der von Suchmaschienen indiziert wird und auf dem LLMs trainiert werden. Es schien jedenfalls eine Informationslücke zu geben.
Der verlockende Gedanke, zu einem Thema, das mich schon länger begleitet (siehe z.B. früheres Stadt-Land-Fluss-Projekt zu Kategoriekarten), neues Wissen schaffen zu können, war dann Motivation genug, der Frage in Form eines Recherche-Projekts auf struktirierte Weise nachzugehen. Das Ergebnis ist folgender Online-Artikel:
> Seit wann gibt es Stadt, Land, Fluss? <
Was initial als systematische Literaturrecherche begonnen hatte, mündete in ein kleines LLM-Projekt, und endete in einer willkommenen Übung in Open-Science-Praktiken und Wissenschaftskommunikation. Der Quellcode für die LLM-Recherche sowie alle Rohdaten, auf welche die im Artikel beschriebenen Beobachtungen sich stützen, sind frei einsehbar und hoffentlich einigermaßen nachvollziehbar dokumentiert. Durch Archivierung auf Zenodo hat das Gesamtpaket eine DOI und ist damit klar identifizierbar und zitierbar. Mit einer CC0-Lizenz ist das neu geschaffene Wissen in die Gemeinfreiheit entlassen.
Die Form der Veröffentlichung — nicht als wissenschaftliches Paper, sondern frei im Web und möglichst zugänglich formuliert — ist vor allem durch den Recherchegegenstand motiviert. Immerhin ist anzunehmen, dass mehr Stadt, Land, Fluss in Klassenzimmern gespielt wird, als dort, wo akademische Literatur im Bereich empirische Kulturwissenschaft gelesen wird.
Auf technischer Ebene ein Augenmerk war unter Anderem:
- Text in Serifenschrift, um eine gewisse Seriösität zu vermitteln
- Keine Abhängigkeit von externen Ressourcen, damit der Artikel in seiner Gesamtheit archiviert werden kann
- Entsprechend ist o.g. Schriftart, sowie die für Visualisierungen im Artikel verwendete Programmbibliothek d3.js, lokal eingebunden
- Eine responsive Weboberfläche, damit auch Lesen auf mobilen Endgeräten und im Darkmode bequem möglich ist
- Kurz vor Veröffentlichung ist hier noch aufgefallen, dass iPhones den Unicode North East Arrow („↗“,
U+2197) — verwendet im Artikel für Links zu Literaturquellen — standardmäßig im Emoji-Stil darstellen, wobei alle anderen getesteten Plattformen und Browser Text-Stil verwenden. Entsprechend folgt im Artikel jetzt auf jeden ↗ ein Variantenselektor 15 (U+FE0E), um die Darstellung im Text-Stil zu garantieren.
- Kurz vor Veröffentlichung ist hier noch aufgefallen, dass iPhones den Unicode North East Arrow („↗“,
- Eine möglichst barrierefreie Weboberfläche
- An ein paar Stellen klemmt es hier allerdings noch. Z.B. haben Datenpunkte in den SVG-Visualisierungen kein
role="button"-Attribut, weil sie dann durch das verwendete CSS-Framework (Pico.css) die gleiche Frabe wie der Hintergrund hätten, und ich keinen vernünftigen Weg gefunden habe, dem entgegenzuwirken, ohne einen riesigen Zirkus an!importantRegeln einzusetzen
- An ein paar Stellen klemmt es hier allerdings noch. Z.B. haben Datenpunkte in den SVG-Visualisierungen kein
- Sicherstellung der Indizierung von Google
- Durch Eintragung in die Google Search Console direkt nach Veröffentlichung
Anklang fand der Artikel seit Veröffentlichung bei der Staatsbibliothek zu Berlin:
> SBB aktuell: Seit wann gibt es „Stadt, Land, Fluss?“ Mit Stabi-Daten und KI Antworten finden <
Viele der Literatur-Quellen für die Recherche sind digitale Bestände der Stabi, und deren Nutzungsbedingungen bitten um ein „Belegexemplar“, wenn Arbeiten diese verwenden. Entsprechend hatte ich einen Link zum Artikel mit Dank für die tolle Ressource an die zuständige Stelle durchgegeben, was dann zu obigem Blog-Artikel führte.
Alles in allem ein Projekt, das am Ende zwar deutlich umfangreicher war, als initial geplant, aber rundum Spaß gemacht hat.
2026-01-01